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Beginnt der Casino Kapitalismus von Vorne?

Altersvorsorge über festverzinsliche Wertpapiere

Die Zahlen sind mal wieder beängstigend: In den USA ist die Altersvorsorge von Beamten und öffentlichen Angestellten in Gefahr, weil die Kapitalkraft der Verwaltungsfonds durch die Finanzkrise stark gelitten hat.

Man muss sich vorstellen, dass amerikanische Pensionsfonds traditionell höhere Risiken eingehen als europäische Pensionsfonds. Darüber hinaus ist in den letzten 20 Jahren der Ruf nach einer Verzinsung von mindestens 8 Prozent immer lauter geworden. In den Zeiten der Hightech und der Biotech Blase in den 90er Jahren war dies auch kein Problem. Die Aktienkurse sind in den Himmel gestiegen und Verzinsungen über 10 Prozent waren keine Seltenheit. Nach dem Crash wandten sich viele Fondsmanager Rohstoffen wie Gold und Öl sowie Immobilien zu. Bis zum Jahr 2007 waren damit ebenfalls hohe Renditen zu erzielen.

Nun hat die letzte Krise zu hohen Verlusten geführt. Damit ist die Existenz der Altersvorsorge vieler Amerikaner gefährdet. In der deutschen Presse wurde dafür der Begriff Casino Kapitalismus, bzw. Spielbanken Anlagen geprägt.

Dabei haben sich die Fondsmanager natürlich nicht so verhalten, als würden Sie in die Spielbank Bad Dürkheim gehen und dort Anlageanteile auf Rot setzen. Vielmehr haben die Fondsmanager ihr Tun gar nicht als spekulativ empfunden, da sie einfach mit der Masse geschwommen sind.

Komplizierte strukturierte Produkte (sogenannte Zertifikate), die sich aus mehreren Optionsscheinen zusammensetzen und damit gegen eventuelle Risiken gefeit zu sein schienen, führten zu einem trügerischen Gefühl von Sicherheit. Heute gelten diese Produkte nur als ein weiterer Schritt auf der Risikoleiter und werden als toxische Wertpapiere bezeichnet.

Nun stehen die Fondsmanager vor einem Dilemma: entweder die Mittel der Altersvorsorge schmelzen weiter ab und man muss staatliche Mittel beantragen bzw. die Leistungen der Altersvorsorge vermindern. Oder man geht wieder hohe Risiken ein, um die Verluste der letzten beiden Jahre auszubügeln. Zurzeit schein letzteres der Fall zu sein. Fondsmanager erhalten wieder hohe Provisionen für hohe Renditen und die Spekulationsfreude wächst wieder. Es ist natürlich einfach, die vergangenen beiden Jahre einfach als kurze Krise abzutun und jetzt mit der sogenannten Hausse mitzuschwimmen.

Man darf dabei nicht vergessen, dass die derzeitige Hausse nicht aus dem Finanzsystem selbst erzeugt wurde, sondern über staatliche Eingriffe. Und die Kapitalbasis der Industrienationen verträgt zurzeit keine zweite Talfahrt im Ausmaß der letzten Jahre.